Lesetipps

An dieser Stelle findet die geneigte Leserschaft dieser gelungenen Homepage in unregelmäßigen Abständen Lese- und eventuell Geschenktipps.

Buchempfehlung

Es gibt ja Autoren und Autorinnen, deren Bücher ich – nachdem ich zwei oder drei gelesen habe – unter dem Satz zusammenfasse:

Kennst du eins, kennst du alle.

Der Autor, den ich Ihnen heute ans Herz lege, gehört natürlich nicht dazu:

Ian McEwan: Nussschale. Diogenes 2016.

Ich erinnere mich gut an eine Episode zu Beginn meines Berufslebens, als ich zum ersten Mal ein „Leseexemplar“ in der Hand hielt. Sieht aus wie das „richtige Buch“ nur mit dem Vermerk „Leseexemplar“, dient als Vorinformation für Besprechungen o.ä. und durfte weder verkauft noch verliehen werden.

Das war 1981, das Buch hiess „Der Zementgarten“, der Autor war niemand anderes als Ian McEwan. Ich war fasziniert und ein bisschen neidisch, das jemand in meinem Alter so tolle Bücher schreiben konnte.

Genug der Sentimentalitäten, zurück zum Thema:

Erzählt wird die Geschichte von Trudy, ihrem Geliebten Claude, der Bruder ihres Exmannes John. Die beiden planen, John zu ermorden. Das alles wird erzählt von Trudys ungeborenem Kind.

Falls sie sich bei Shakespeare auskennen, wird ihnen die Handlung bekannt vorkommen: Claudius und Gertrude haben Gertrudes Ehemann, Hamlets Vater ermordet und Hamlet schwört Rache.

Dieser Fötus ist ein schlaues Kerlchen mit dem Wissen und Verständnis eines Erwachsenen, der alles mithört und sich deutlich mehr über den regelmässigen Weingenuss seiner Mutter als über die „Besuche“ seines Onkels freut. Hin und hergerissen zwischen der Liebe zu ihr und dem Hass, weil sie den Vater töten will. Verzweifelt über seine Hilflosigkeit. Bis zur naheliegenden Möglichkeit, aktiv in das Geschehen einzugreifen.

Ich verspreche Ihnen einen ungewöhnlichen Lesegenuss!

Sie finden weitere Bücher vom Autor in der Stadtbücherei, auch den eingangs erwähnten „Zementgarten“.

Und nicht vergessen: Bücher im örtlichen Buchhandel kaufen!

Dorothee Merzhäuser

März 2017

Buchempfehlung

Hallo liebe Lesende,

der Sommer ist zu Ende, die Zeit der Bestseller im Liegestuhl ist vorbei. Jetzt wird wieder was Ordentliches gelesen, das ich Ihnen auch empfehlen kann und möchte.

Ich habe eine -für mich- neue und großartige Autorin entdeckt und muss meine Begeisterung unbedingt weitergeben:

Lena Gorelik. Null bis unendlich. Rowohlt 2015

„Ein berührender Roman über Freundschaft, Liebe und Abschied“.

So steht es auf dem Waschzettel und genau so ist es.

Da treffen sich zwei 14-Jährige Aussenseiter in der Schule, Nils Liebe, Mathegenie, aber  sonst eher komisch, und Sanela, verwaistes Kriegskind aus dem ehemaligen Jugoslawien, das erst deutsch lernen muss. Es entsteht ein – zunächst wortloses –  intuitives Verstehen zwischen zwei verwandten Seelen.

Deswegen zögert Nils auch nicht lange, als Sanela ihn fragt, ob er sie auf der Suche nach dem Grab ihres Vater begleitet. Es grenzt an ein Wunder, dass sie dieses gefahrvolle Abenteuer, natürlich erfolglos, aber immerhin unbeschadet überleben.

Wieder zu hause, unterbinden die Erwachsenen jeden Kontakt zwischen den beiden.

Erst nach 22 Jahren wird Nils, inzwischen arrivierter Journalist, einen Brief von Sanela erhalten. Sofort beginnt eine intensive, komplizierte Beziehung. Nils Liebe, der Einzelgänger, muss sich auch an das Zusammenleben mit Sanelas kleinem Sohn, Niels-Tito gewöhnen, dessen Lieblingszahl die 11 ist und der auch sonst ein sehr eigenwilliges Kind ist.

Und Sanela ist krank.

Das alles ist nichts für Sensibelchen, denn es wird viel gestorben und das Ende ist nicht „happy“ im herkömmlichen Sinne.

Die Autorin, die als 11-Jährige 1992 aus St. Petersburg nach Deutschland kam, schreibt in Deutsch. Besonders zu Beginn des Buches kreiert sie wunderbare Wortschöpfungen, die sie der deutschlernenden Sanela in den Mund legt.

Wenn Ihren das Buch gefallen hat, machen Sie es wie ich und lesen auch noch die anderen Bücher der Autorin.

Ich wünsche Ihnen einen wunderbaren Herbst und vergessen Sie nicht, Ihre Bücher im regionalen Buchhandel zu kaufen.

Dorothee Merzhäuser

Oktober 2016

 

Buch- und Kinoempfehlung

Diesmal muss ich mich mit meinen Tipp beeilen, damit Sie die Möglichkeit haben, nicht nur das Buch zu lesen, sondern sich auch im Luxkino die Verfilmung anzuschauen, die aktuell dort läuft.

Meine heutige Empfehlung:

Fredrik Backman: Ein Mann namens Ove. Fischer 2014.

Dieser Ove ist auf den ersten Blick ein echtes Ekel, der zählt nicht nur die Erbsen sondern sortiert sie auch noch. Und da er zutiefst unglücklich ist, das Leben hat ihm übel mitgespielt, will er sich umbringen.

Das misslingt gründlich, weil ihm mehrfach die neu zugezogene Nachbarin dazwischenfunkt. Mit ihrer fröhlichen Art scheint sie mühelos alle Probleme des Lebens zu meistern und bildet so den Gegenpol zu Ove. Im Verlauf der Handlung ist es hauptsächlich ihr Verdienst, die verschütteten guten Seiten des alten Griesgrams wieder hervorzuholen.

Im Film wird Ove großartig verkörpert von Rolf Lassgard. Fans der Mankell-Fernsehfilme kennen ihn als den ersten (und nach meiner persönlichen Meinung besten) Darsteller des Kommissars Wallander. Natürlich ist das Buch wie (fast) immer besser als der Film, trotzdem lohnt sich der Kinobesuch.

Auch wenn Sie Audi oder BMW fahren!!

Falls es mit dem Kino nicht klappt, leihen Sie sich das Buch in der Stadtbücherei aus.

Und bitte nicht vergessen: Bücher im örtlichen Buchhandel kaufen!

Dorothee Merzhäuser

April 2016

 

 

Buchempfehlung

Neulich erhielt ich eine whatsapp von einer lieben Freundin:

„Dorothee, Du musst unbedingt dieses Buch lesen und für die Homepage des Fördervereins besprechen!“

Es waren Photos von Titelblatt und Rückseite mit der kurzen Inhaltsangabe beigefügt. Meine erste Reaktion, nachdem ich den Inhalt gelesen hatte, war:

Im Leben nicht!!!

Hier die Handlung in einem Satz: Zwei junge orthodoxe Juden werden verheiratet, nachdem sie sich dreimal gesehen haben.

Das ist nun wirklich nicht meine Welt. Aber arrangierte Ehen gibt es in vielen Religionen und waren auch in unserem christlichen Abendland bis ins letzte Jahrhunderts nichts Unbekanntes, auch wenn es dabei mehr um Äcker oder Geld als  um Religion ging.

Und da ich gute Erfahrungen mit persönlichen Buchempfehlungen gemacht habe, wurde das Buch in der Stadtbücherei ausgeliehen, gelesen und siehe da: 

Es hat mir gefallen!

Und zwar so gut, dass ich Ihnen die Lektüre ans Herz lege:

Eve Harris: Die Hochzeit der Chani Kaufman. Diogenes 2015.

Neben Chani und Baruch, die heiraten werden, gibt es noch zwei weitere Paare, die im Buch eine größere Rolle spielen: Avromi, Baruchs Freund, der eine heimliche Beziehung mit einer nichtjüdischen Studentin hat, und die Rebbetzin (Frau des Rabbiners) und ihr Mann.

Sie erhalten Einblick in eine Welt, die sicher nicht nur mir fremd und umbekannt ist.

Und keine Sorge: Sie ist weder trostlos noch deprimierend. Für die junge, aufgeweckte und zu Widersprüchen neigende Chani ist die Hochzeit auf der einen Seite beängstigend, wie alles Neue im Leben, aber es überwiegt die berechtigte Hoffnung, an der Seite ihres Mannes in Israel die im wahrsten Sinne des Wortes beengende Kindheit hinter sich zu lassen.

Die Autorin, Jahrgang 1973, ist selbst Jüdin und hat als Lehrerin unter anderem an jüdisch-orthodoxen Mädchenschulen gearbeitet. Wenn Sie unter „ diogenes blog “ recherchieren, finden Sie ein Interview mit Eve Harris. Sie liest übrigens am 11. Mai in Heidelberg.

Viel Freude beim Eintauchen in eine unbekannte Welt und bitte denken Sie daran:

Bücher im örtlichen Buchhandel kaufen!

Dorothee Merzhäuser

März 2016    

Buchempfehlung

Hallo liebe Leserinnen und Leser,

gehen Sie auch so gerne ins Kino?

Haben Sie auch die vielen Sendungen über die Berlinale gesehen?

An dieser Stelle möchte ich die Verantwortlichen von 3sat loben, die wirklich fundiert und ausführlich berichten. Ich hocke vor dem Fernseher und freue mich über die großartige Anke Engelke und das grottenschlechte Englisch von Dieter Kosslick. Mein ganz persönlicher Dank geht an die unbekannten Erfinder des HD-Receivers, die es mir ermöglichen, die Sendungen zu zivilen Zeiten anzusehen.

Warum ich das erzähle?

Weil der wunderbare Michael Ballhaus den diesjährigen Ehrenbär bekommen hat.

Kinogänger wissen, von wem ich rede, für die anderen ein paar Daten:

Michael Ballhaus, geboren 1935, Kameramann. Hat ungefähr 130 Filme gemacht, davon sechzehn mit R.W. Fassbinder. (Zitat Ballhaus: Wenn ich diesen Mann durchgestanden habe, kann mir in Zukunft nichts mehr passieren). In USA mit allen namhaften Regisseuren gearbeitet. Dreimal für den Oscar nominiert. Berühmt für seinen 360° Dreh, bei dem die Kamera komplett um die Darsteller herumfährt.

Falls ich Ihr Interesse für diesen interessanten Mann geweckt habe, empfehle ich folgendes Buch zu Ihrer Lektüre:

Michael Ballhaus: Bilder im Kopf. Die Geschichte meines Lebens.

Gibt es natürlich in der Stadtbücherei, dort steht auch noch ein weiteres Buch, allerdings schon etwas älter, und zwar:

„Das fliegende Auge; Michael Ballhaus im Gespräch mit Tom Tykwer“.

In diesem Buch gibt es auch eine Filmliste, die aber 2002 endet. Ich nenne hier nur einige Filme: Die Ehe der Maria Braun; Der Zauberberg; Die Farbe des Geldes; Die fabelhaften Baker Boys (einer meiner Lieblingsfilme!); Zeit der Unschuld; Gangs of New York.

Traurig ist, dass Michael Ballhaus, der sein ganzes Leben hauptsächlich mit den Augen gearbeitet hat, nun langsam erblindet. Tröstlich ist, dass sein Sohn Florian das Talent des Vaters geerbt hat und ebenfalls Kameramann geworden ist.

Viel Vergnügen bei der Lektüre und nicht vergessen: Bücher im stationären Buchhandel kaufen!! 

Dorothee Merzhäuser

Februar 2016

 

Fernseh- und Buchempfehlung

 

Hallo liebe Lesende,

Ihnen allen noch alles Gute für das neue Jahr 2016, möge ein Teil Ihrer Wünsche in Erfüllung gehen, Sie ein paar Ihrer Vorsätze durchhalten und immer genug zu lesen haben!

Diesmal empfehle ich Ihnen zunächst einen zweiteiligen Fernsehfilm und zwar:

„Wölfe“. Er wird jeweils Donnerstag, 21. und 28. Januar um 20.15 Uhr, auf arte gesendet. Gedreht wurde er von der BBC, was in der Regel ein Merkmal für hohe Qualität ist.

Es geht um Macht und Intrigen zur Zeit Heinrichs des VIII. Hauptperson ist Thomas Cromwell, der es als Sohn eines Schmieds in höchste Ämter geschafft hat und als Vertrauter seines Königs die zweifelhafte Aufgabe erhält, ihn von seiner ersten Frau zu befreien, damit er Anne Boleyn heiraten kann.

Falls Sie im Geschichtsunterricht aufgepasst haben, werden Sie sich erinnern, dass das Ganze nicht nur für Cromwell kein gutes Ende nimmt.

Wenn Sie aber keine Lust haben, an zwei Abenden je drei Stunden vor dem Fernseher zu sitzen, empfehle ich Ihnen wärmstens die literarische Vorlage:

Hilary Mantel: „Wölfe“, DuMont 2010, und „Falken“, DuMont 2013.

Die Autorin schreibt einfach wunderbar und hat für beide Bücher den „Booker Prize“, die höchste britische Auszeichnung für Literatur erhalten.

Für mich als Vielleserin sind beide Titel herausragend und absolut empfehlenswert. Freunde historischer Romane werden sich von zusammen 1250 Seiten nicht abschrecken lassen. (Der 2015 erschienene Erzählband „Die Ermordung Margaret Thatchers“ hat mir weniger gefallen.)

Selbstverständlich sind beide Titel als Buch und Hörbuch im Bestand der Stadtbücherei Frankenthal.

 

Viel Spaß beim Lesen und/oder Fernsehen und vergessen Sie nicht:

Bücher kauft man im stationären Buchhandel!!

 

Dorothee Merzhäuser