Lesetipps

An dieser Stelle findet die geneigte Leserschaft dieser gelungenen Homepage in unregelmäßigen Abständen Lese- und eventuell Geschenktipps.

Buchempfehlung 

In Zeiten von Corona ist ausreichender Lesestoff genauso wichtig wie ausreichende Hygieneartikel!

Zum Glück finden sich ja in den meisten Wohnungen noch Bücher, die man/frau immer mal lesen wollte. Jetzt haben Sie die Zeit dazu! 

Das Buch, das ich heute vorschlage, hat mir ein guter Freund empfohlen, der lange auf dem Land lebte und Schafe hielt.

James Rebanks. Mein Leben als Schäfer. C. Bertelsmann, 2015

Für Leute wie mich, die ihr ganzes Leben in der Stadt verbracht haben, ist das eine fremde Welt. Es gibt vier Kapitel, Frühling, Sommer, Herbst, Winter.

Im Frühling werden die Lämmer geboren, im Sommer kommen die Tiere auf die Berge und es wird im Tal Heu geerntet, im Herbst werden Tiere ge- und verkauft, im Winter hofft man, dass das Heu reicht und die Tiere überleben.

Das Leben wird von der Natur bestimmt, egal, ob in der Jetzt-Zeit (der Autor ist Jahrgang 1975), oder vor ein paar hundert Jahren. Der Unterschied zu seinen Vorfahren beschränkt sich auf ein paar technische Hilfsmittel, das Wesentliche ist und bleiben Wetter, gute Hunde und natürlich die Schafe. Die Erfahrungen und Kenntnisse, die von Generation zu Generation weitergegeben werden, sind wichtiger als Computer oder Fahrzeuge.

Die Liebe des Autors zu diesen Leben, den Tieren, der Natur ist in jeder Zeile zu spüren.

Ich musste diesen Text in den letzten Tagen mehrfach aktualisieren, es tut mir leid, dass ich ein Buch empfehle, das aktuell nicht entliehen werden kann, da die Stadtbücherei auf unbekannte Zeit geschlossen ist.

Zum Abschluss noch ein Hinweis vom Buchhändler meines Vertrauens:

Eure Online-Bestellungen bei den Multinationals finanzieren unsere Krankenhäuser übrigens nicht.

Bleiben Sie gesund!!!

Dorothee Merzhäuser

März 2020

 Diesmal ein Geschenktipp

Falls Sie noch ein Weihnachtsgeschenk für ein älteres Kind oder eine/n Jugendliche/n suchen, hier ein Vorschlag:

Juliane Breinl: Mein Mauerfall. ArsEdition 2019

Thema ist nicht nur das im Titel genannte Ereignis, sondern die deutsch/deutsche Geschichte zwischen 1961 und 1989. Anhand eines Familientreffens erfahren Kinder die Geschichte ihrer Eltern und Großeltern, die durch die deutsche Teilung stark beeinflusst wurde. Wie verschieden das Leben in den beiden deutschen Staaten war, wird durch Beispiele des alltäglichen Lebens klar, seien es nun Schule, Urlaub, Kleidung oder Popmusik.

In kurzen Kapiteln werden die Fakten und Ereignisse verständlich geschildert, unterstützt durch Berichte von Augenzeugen.

Das Buch gibt es natürlich in der Stadtbücherei, es steht in der Jugendabteilung.

Warum ich Ihnen ausgerechnet dieses Buch empfehle?

Im Frühjahr 1969 fuhr ich zum ersten Mal zur Leipziger Buchmesse, das war damals die einzige Möglichkeit, in die DDR zu kommen, wenn man keine Ost-Verwandschaft hatte. Dabei lernte ich eine junge Familie aus Sachsen kennen, die ihrem Staat kritisch gegenüber stand. Wir freundeten uns an und ich besuchte sie immer wieder bis 1983. 1984 durfte sie in die BRD ausreisen. Das zweite Kind, das 1971 geboren wurde, ist Juliane.

Ich wünsche der werten Leserschaft ein schönes Weihnachtsfest und ein Gutes Neues Jahr.

Und kaufen Sie Ihre Buchgeschenke bitte im örtlichen Buchhandel!!

Dorothee Merzhäuser

Dezember 2019

 

Buchempfehlung

In diesem Jahr wurden, wie üblich, diverse runde Jubiläen gefeiert, wobei die 100 Jahre Bauhaus wohl das herausragende war. Aus dem Wust an Büchern, die zu diesem Anlass erschienen, habe ich diverse gelesen (und jede Menge Dokus im Fernsehen angeschaut). Dabei ist mir klar geworden, dass die Emanzipation am Bauhaus wohl doch noch nicht so überzeugend war, wie ich immer gedacht hatte. Da in diesem Jahr auch das Frauenwahlrecht 100 Jahre alt wurde, war es naheliegend, die Themen „Bauhaus“ und „Emanzipation“ zu kombinieren.

Das geschieht in dem Buch, das ich Ihnen empfehle:

Jana Revedin: Jeder hier nennt mich Frau Bauhaus. Das Leben der Ise Frank. DuMont 2018

Es erzählt das Leben der Ilse Frank, die, aus jüdisch-großbürgerlicher Familie stammend, 1923 die zweite Frau (nach Alma Mahler-Werfel) von Walter Gropius wird. Zwar keine Künstlerin im klassischen Sinn, ist sie doch maßgeblich am Erfolg des Bauhauses beteiligt.

Die gelernte Buchhändlerin und Rezensentin kann schreiben und trägt durch ihre Artikel zur Verbreitung der Bauhaus-Idee bei. Außerdem ist sie das, was wir heute als Netzwerkerin bezeichnen: Sie kennt die richtigen Leute und setzt ihre Beziehungen zum Wohl des Bauhauses ein.

Einer ihrer letzten Geniestreiche ist ein Dokumentarfilm, in dem sie selbst -mit Dienstmädchen- die neuesten technischen Errungenschaften zum Wohle der emanzipierten Frau vorführt.

(Wer sich den Film im Internet ansehen möchte: Wie wohnen wir gesund und wirtschaftlich? Teil 3: Neues Wohnen. Das Haus von Prof. Gropius. Hrsg: Bauhaus-Archiv)

Das Ende ist bekannt. Das Bauhaus wird 1933 geschlossen und 1996 Weltkulturerbe. Das Ehepaar Gropius geht in die USA, Ise stirbt 1983.

Dorothee Merzhäuser

Oktober 2019

Buchtipp

Hallo liebe Lesende,

sind Sie auch passionierte Krimifans?

Ich habe so viele skandinavische Kriminalromane gelesen, dass ich vor Jahren im abgelegenen schwedischen Ferienhaus jedes Mal alle Türen und Fenster verrammelt habe, wenn ich allein war. Mit Donna Leon lasse ich mich gerne durch Venedig treiben und Bruno, Chef de police, hat in mir den Wunsch geweckt, einmal ins Périgord zu fahren.

Selbstverständlich lese ich auch deutsche Autoren und Autorinnen, und da habe ich seit Jahren zwei Favoriten. Einen davon stelle ich Ihnen heute mit seinem aktuellen Buch vor:

Wolfgang Schorlau. Der große Plan. Denglers neunter Fall. KiWi 2018

Der Autor lebt als freier Schriftsteller in Stuttgart. Sein Protagonist ist Georg Dengler, ein Privatermittler, der früher beim BKA gearbeitet hat und nun mit Hilfe seiner Freundin Olga, einer genialen Hackerin, seine Aufträge bearbeitet.

Das Besondere an Schorlaus Krimis ist, dass sie immer einen politischen oder wirtschaftlichen Hintergrund haben. Da geht es um die Treuhand,   Privatisierung von Wasserrechten, Massentierhaltung oder die NSU-Verbrechen. So erfahren Sie auf unterhaltsame Weise Fakten und Hintergründe, die Ihnen vielleicht vorher nicht klar waren.

In diesen aktuellen Fall geht es um die Griechenlandkrise und ich gestehe ehrlich, dass ich nach der Lektüre deutlich schlauer war! Wussten Sie, was ein „Swap“ ist und wie er funktioniert?

In der Stadtbücherei sind alle neun „Dengler“-Fälle als Bücher vorhanden.

Ich wünsche Ihnen Allen einen wunderbaren Herbst, und denken Sie bitte daran, Ihre Bücher im örtlichen Buchhandel zu kaufen.

P.S. Am 7. Oktober um 20.15 Uhr läuft auf ZDFneo „Die letzte Flucht. Denglers sechster Fall“.

Dorothee Merzhäuser

September 2018

Buchtipp

 

Werte Leserschaft,

neulich hatte ich Klassentreffen, und da einige von uns 50jähriges Abitur hatten, feierten wir mit Übernachtung in einem wunderbaren Hotel in Unkel am Rhein. Es war eine fröhliche Gruppe von Mädels um die Siebzig, die sich zum Teil viele Jahre nicht gesehen hatten.

Jedenfalls bekam ich von einer früheren Klassenkameradin nach der Frage zu meinem  Beruf sofort eine überschwängliche Buchempfehlung. Das Buch heiße „Das achte Leben“, habe ungefähr 1000 (!) Seiten und sei einfach großartig. Den Namen der Autorin wisse sie leider nicht.

Meine Bemerkung, dass ich keine Bücher lesen würde, die mehr als 600 Seiten hätten,  wurde ignoriert, dann müsse ich eine Ausnahme machen und ich würde es nicht bereuen!

Wieder zu Hause, habe ich das Buch im Stadtbücherei-Katalog als Ebook gefunden und sofort heruntergeladen. Zum Glück gibt es jetzt eine Leihfrist von 21 Tagen!

Nino Haratischwili: Das achte Leben. (Für Brilka). Frankfurter Verlags-Anstalt.

(Kein Wunder, das meine Mitschülerin nur den Titel wußte!)

Der Inhalt in Kürze: Erzählt wird das Leben von sechs Generationen einer georgischen Familie von 1900 bis 2014. Jeder handelnden Person ist ein eigenes Kapitel gewidmet. Ausserdem erhalten Sie einen Einblick in die georgisch-russische Geschichte des 20. Jahrhunderts.

Wenn Sie mehr wissen wollen, lesen Sie die enthusiastischen Beurteilungen auf der Seite eines großen Internet-Buchhändlers.*

Die Autorin ist 1983 in Georgien geboren, lebt in Hamburg und schreibt neben ihren Romanen auch Theaterstücke.

In der Stadtbücherei gibt es ihre Bücher allerdings nur als Ebooks.

Noch einen schönen Sommer wünscht

Dorothee Merzhäuser

*Aber kaufen Sie Ihre Bücher bitte im örtlichen Buchhandel!

Juli 2018

Buchempfehlung

 

Eierlikörtage. Der geheime Tagebuch des Hendrik Groen, 83 ¼ Jahre alt. Piper, 2016.

 

Willkommen in der Ü80-Welt, schon der erste Satz macht Spass:

„Auch im neuen Jahr habe ich für Senioren nichts übrig.“

Der das schreibt, ist Hendrik Groen, 83 Jahre alt, und nicht der Gesündeste. Er lebt im Heim, weiss also, wovon er spricht. Um sich abzulenken und die grauen Zellen nicht verkümmern zu lassen, beschliesst er, seine täglichen Erlebnisse aufzuschreiben.

Und da ihm das permanenten Gejammere und Sich-gehen-lassen vieler seiner Altersgenossen und -genossinnen auf die Nerven geht, findet Hendrik fünf Gleichgesinnte, die zusammen den „Alanito-Verein“ gründen. Ausserdem können sie im Team besser die wachsame Heimleiterin austricksen.

Der Name des Vereins ist Programm: Alt-aber-nicht-tot. Ein Mal pro Monat wird auf Vorschlag eines der Vereinsmitglieder ein Überraschungsausflug organisiert. So zeigen sie ihren neidischen Mitbewohnern, das man auch im Rollstuhl noch eine Menge unternehmen kann.

Und der unbekannte Autor beweist der werten Leserschaft, dass auch ein Leben mit Einschränkungen noch schöne Seiten haben kann, man muss nur aktiv werden und sich etwas zutrauen.

Wem das Buch gefallen hat – es ist übrigens in einer schönen großen Schrift gedruckt – empfehle ich auch die Fortsetzung:

Tanztee. Das neue geheime Tagebuch des Hendrik Groen, 85 Jahre. Piper, 2017.

Beide Titel gibt es auch als Ebooks in der Metropolbib.